Informationen über Traumafolgestörungen

Ein Psychotrauma, eine tief greifende Verletzung der Seele, ist „eine normale Reaktion auf ein unnormales Ereignis“. Im Augenblick höchster Gefahr, wenn weder kämpfen noch fliehen möglich ist, hilft sich die Seele damit, dass sie die Gefühle, die unerträglich wären, einfach abspaltet. Diesen Vorgang nennt man in der Fachsprache Dissoziation: Im Gehirn werden verstärkt Endorphine ausgeschüttet, Schmerzdämpfer, die vor allem in den unteren, älteren Schichten unseres Nervensystems, die für Gefühle und Emotionen verantwortlich sind, ihre Wirkung entfalten. Das schnelle und sinnvolle Reagieren, wofür die Großhirnrinde verantwortlich ist, bleibt dadurch erhalten und wird nicht durch Gefühle „gestört“. Der fühlende Teil der Persönlichkeit geht damit, so könnte man sagen, in die Emigration. Die Trennung des Bewusstseins von den körperlichen Empfindungen ist eine Schutzreaktion des Körpers: Wenn wir den Schmerz nicht mehr spüren, können wir „einen kühlen Kopf“ bewahren und unsere ganze Kraft für die Abwehr der Gefahr nutzen.
Zum Glück gelingt es oftmals danach wieder „Denken und Fühlen“ zu verbinden. Bei starker Überforderung und ungünstigen Umweltbedingungen bleibt jedoch das unverarbeitete Ereignis abgekapselt; da es nicht „verdaut“ und somit integriert ist, kann es nicht an der sonstigen allgemeinen Entwicklung teilhaben. Der Preis für den Schutz ist, den eigenen Körper und die eigenen Gefühle nicht mehr oder nur verzerrt spüren zu können.
So kommt es, dass sich Traumatisierte oftmals selbst nicht mehr verstehen, der Körper reagiert in einer Weise, die vom bewussten Ich abgespalten ist. Es tauchen plötzlich Körpersensationen oder Gefühle auf ohne eine konkret erinnerte Situation, die diese Gefühle verständlich erscheinen ließen. Oder eine Erinnerung wird erzählt ohne das dazu gehörende Gefühl. Dies Abspalten ist gut fürs Überleben, es verhindert jedoch einen gesunden Verarbeitungsprozess.
Hinter einer glatten Oberfläche bleibt das unverarbeitete Ereignis als unsichtbare Wunde bestehen. Ungefragt und ungewollt taucht es dann in so genannten „Triggersituationen“ wieder auf, wenn ein Detail, ein zufälliger Begleitumstand der damals bedrohlichen Situation, im Heute daran erinnert.
Traumatisierte fühlen sich oft hin und her geworfen zwischen einerseits dem kontrollierenden Vermeiden von Situationen, die daran erinnern könnten, aus dem verständlichen Wunsch nach innerer Ruhe, und andererseits dem Auftauchen von Gefühlen und Körpersensationen, die in der Gegenwart als „unangemessen“ erscheinen und nur durch das unverdaute Ereignis in der Vergangenheit ihre Sinnhaftigkeit finden. Ein Teil der Seele will verstehen, verdauen, es zu einem integrierten Teil der eigenen Biografie werden lassen, während der andere Teil warnt: „Du hältst das nicht aus, es würde dich heute genauso umwerfen wie damals!“ Traumatherapeuten sind sich heute einig darin, dass zuerst Stabilisierung, Stärkung und Verbindung mit der eigenen Kraft aufgebaut werden muss, bevor „dem Schrecken ins Gesicht gesehen werden kann.“ Informationen über typische neuronalen Verarbeitungsmuster bei Stress sind hilfreich, um das eigene Verhalten akzeptieren zu können. Yoga-Übungen können helfen, der eigenen Kraft wieder zu vertrauen und das Bewusstsein immer wieder in die Gegenwart zu holen, wo die Gefahr vorbei ist.
Um schwer Verdauliches zu verarbeiten, können wir uns an dem jedem Körper vertrauten, physiologisch gesunden Verdauungsprozess orientieren. Eine zu große Menge an ungewohnter Nahrung ist auch für einen gesunden Magen zuviel. Bei einem Psycho-Trauma passiert dies auf seelischer Ebene. Um das Zuviel in verdaubare Portionen aufzuteilen, muss daher die Fähigkeit zur Begrenzung, zu einem „Stopp“ und „Nein“ am Anfang stehen. Solange noch die Gefahr einer Überflutung durch unkontrollierbare Wut oder ein nimmer endendes Tränenmeer lauert, stellt ein Wieder-Erinnern eine so genannte „Re-Traumatisierung“ dar, die hochsteigenden Bilder lösen die gleichen Gefühle und Körpersensationen wie damals aus, es wird die gleiche Ohnmachtserfahrung noch einmal erlebt und dadurch zementiert. Der „alte Film“ muss als solcher erkannt und gestoppt werden können. Dabei ist der Aufbau von hilfreichen Gegenbildern wichtig. (siehe Punkt: PITT)
Der gesunde Durchgang durch Magen und Darm ist auf aggressiv zersetzende Säuren und genügend Flüssigkeit angewiesen. Auf den seelischen Bereich übertragen heißt das: Wir brauchen Feuer/Wut und Wasser/Tränen. Für ein gutes Zusammenspiel dieser polaren Kräfte, die auch Schutz vor einem Zuviel bieten, gibt es viele hilfreiche Übungen aus dem Yoga. Yoga hilft, wieder im Körper anzukommen, lebendig zu werden und sich zu spüren. (siehe Punkt: Yoga) So kann der Glaube an die eigene Kraft zunächst auf körperliche, mit zunehmender Übung auch auf seelischer Ebene sich einstellen.
Ob die „schlimme alte Erfahrung“ noch mal hoch geholt werden muss, entscheidet der Prozess. Für Manche reicht es, in der Gegenwart die Erfahrung von Lebendigkeit, Selbst-Wirksamkeit und Durchsetzungsfähigkeit zu spüren, so dass das „Alte“ wirklich in der Vergangenheit bleibt und vorbei ist.


"
Wir werden eingetaucht und
mit dem Wasser der Sintflut gewaschen,
wir werden durchnässt bis auf
die Herzhaut.
Der Wunsch nach der
Landschaft diesseits der Tränengrenze taugt nicht…
Es taugt die Bitte, dass wir
aus der Flut,
dass wir aus der Löwengrube
und dem feurigen Ofen
immer versehrter und immer heiler – stets von Neuem –
zu uns selbst entlassen werden .“

(Hilde Domin)





 








 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 














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